Refugees welcome! Meine Erfahrung im Flüchtlingsheim

  
Ständig habe ich überlegt was ich tun kann. Wie kann ich diesen Menschen helfen, die aus ihrem Land flüchten mussten, weil ihre Lebenssituation im Krieg nicht mehr zu ertragen war. Oft wurde ich nervös bei dem Gedanken, was diese Menschen schon alles erleben und mit ansehen mussten.

Mit ansehen, wie ihre Familienmitglieder vor ihren Augen sterben, wie sie alles verlieren, was ihnen wichtig und heilig war, wie sie ihr Leben aufgeben müssen, in der Hoffnung auf eine erträgliche Lebenssituation. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken, wie es diesen Menschen wohl gehen muss, wie sie sich fühlen müssen. Habe ich Nachrichten angesehen, rannten mir Tränen über das Gesicht. Es kann nicht möglich sein, dass es so viel Unrecht auf dieser Welt gibt, dass diese Menschen sich überhaupt auf die Flucht begeben müssen. Mir war von Anfang an klar, ich möchte etwas für diese Menschen tun. Wenn sie schon dermaßen viel mit Fremdenhass konfrontiert werden und so viel Abneigung erfahren müssen, möchte ich dazu beitragen, dass es einem Teil von ihnen wenigstens für ein paar Momente besser geht.
So entschloss ich mich dazu, in der Kinderbetreuung einer Erstaufnahmestation für Flüchtlinge zu helfen. Es war mit einer der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens. Bin ich morgens den Gang runtergelaufen zu dem Kinderraum, kamen mir jeden morgen bereits strahlende Kinder entgegen gerannt, ihre Augen glitzerten und sie riefen laut „ANNA, ANNA, I love you!“ und sprangen mir in die Arme. Dieses Gefühl war unglaublich, dass ich allein durch meine Anwesenheit den Kindern so eine Freude bereiten konnte. Vom ersten Tag an merkte ich, dass sie mich in ihr Herz geschlossen haben, genauso wie ich sie.

  
Wir spielten viele Spiele zusammen, direkt viel mir auf, dass sie für jedes Spiel unglaublich dankbar waren und es voller Elan bis zum Schluß zu ende spielten. Besonders beliebt war „Mensch ärgere dich nicht“. Obwohl ich als einzige Deutsche zwischen so vielen ausländischen Kindern saß, wurde jedes mal laut „SEEECHS“ gerufen, durfte jemand sein Häuschen verlassen. Immer wieder kamen die Kinder auf mich zu, um mir stolz das deutsche Alphabet aufzusagen, mir auf deutsch vorzuzählen oder mir ihre neu erlernten deutschen Wörter voller Stolz zu präsentieren. Oft holten sie Bilderbücher und ich wollten mit mir üben, wie man die einzelnen Abbildungen auf deutsch ausspricht, fleißig wurde dieses auf Blattpapier festgehalten und immer wieder geübt. Niemand hat die Kinder dazu aufgefordert, es war ihr eigener Wunsch. Umso wütender machte es mich, dass sich so viele Deutsche darüber beschweren, dass die Flüchtlinge doch erstmal Deutsch zu lernen haben bzw nicht den Wille zeigen würden. Das Gegenteil ist der Fall: sogar die Kleinsten wollen es unbedingt.

Obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen, war die Verständigung nie ein Problem. Viele Kinder konnten relativ gut Englisch sprechen, man merkte, dass sie in ihrer Heimat Bildung genießen durften. Ich habe sie oft gelobt für ihre Englisch und Deutsch- Kenntnisse und über dieses Kompliment waren sie mehr als glücklich. Scheiterte es manchmal an der Kommunikation, haben wir uns einfach in den Arm genommen, einfach weil uns danach war. Das Strahlen der Kinder werde ich niemals vergessen. Es ist das schönste Gefühl zu wissen, dass sie für diesen Moment ihre Sorgen vergessen durften und wie andere Kinder einfach spielen durften und Geborgenheit spüren durften.
Besonders getroffen hat mich eine Situation, in der mir mein kleiner neuer Freund von seiner Heimat, dem Irak erzählt hat und im ersten Satz der Terror der ISIS beschrieben wurde. Er fing an zu weinen, weil seine Familie noch dort ist und er nun hier. Ich nahm ihn in den Arm und als er hochguckte und sagte „Danke Anna, I love you, you are good!“ fiel mir ein Stein vom Herzen, weil er aufgehört hat zu weinen, wenigstens für den Moment.

  
Jeden Tag hatte ich Respekt vor den Kindern und ihren Eltern. Respekt davor, was sie hinter sich gebracht haben, dass sie es so weit geschafft haben. Jeden Tag bin ich ihnen auf Augenhöhe begegnet und habe ihnen gezeigt, wie wichtig sie mir geworden sind.
Ein Vater hat mir erzählt, dass seine Kinder jeden Tag nach dem Kindergarten von mir sprechen, weil ihnen es so viel Spaß macht mit mir zu spielen. Das war für mich das größte Kompliment und eine spannende Kommunikation. In seinem Heimatland war er Journalist, daher wahrscheinlich auch seine guten Englisch Kenntnisse.

      
An meinem letzten Tag bei ihnen habe ich den Kindern meine ganze Sammlung an Kostümen mitgebracht, wir haben laut Musik angemacht und viel gesungen und getanzt. Ich wollte mit ihnen noch eine Party feiern. Die Kinder haben gekreischt vor Freude beim Verkleiden und hatten unfassbar viel Spaß zu tanzen, vor allem zu deutschen Schlagern.
Ich werde niemals vergessen, wie mich diese Kinderaugen angestrahlt haben, wie sie immer wieder „Anna, i love you“ gesagt haben, mich immer wieder umarmt haben und wie ich sie zum Lachen bringen konnte.

          
Ich bin froh darüber, mir ein Bild gemacht zu haben und dass ich diese fantastischen Menschen kennenlernen durfte.

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